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Mittwoch, 03. Juli 2019 13:58

Airline-Generalstreik droht - WKÖ bleibt bei Nein zu Branchen-KV / Domany: Branchen-Kollektivvertrag wäre schlecht für Standort und Arbeitsplätze - AUA-Bordbetriebsrat steht hinter vida-Streikdrohung

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hält trotz einer Streikdrohung der Gewerkschaft vida an ihrem Nein zu einem Branchen-Kollektivvertrag für Fluggesellschaften in Österreich fest. Der zuständige Funktionär Christian Domany, Vorsitzender der Berufsgruppe Luftfahrt, erklärte in einer Aussendung, die Aufregung der Gewerkschaft sei nicht nachvollziehbar.

"In der Luftfahrt sind Branchen-KVs aufgrund der globalen Tätigkeit absolut unüblich. Auch in Frankreich und Deutschland gibt es diese nicht. Das Anliegen der Wirtschaft ist es, den Standort und damit die Arbeitsplätze zu sichern. Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Branchen-KV würde dieses Ziel konterkarieren", erklärte Domany.

Die Kritik an den niedrigen Löhnen für Flugbegleiter wies Domany zurück: "Zu den Grundgehältern kommen pro Monat in der Regel noch mehrere hundert Euro an Zulagen." Domany forderte die Gewerkschaft auf, die Drohgebärden sein zu lassen und "sachlich und konstruktiv" zu bleiben, um "eine für alle Seiten gangbare und faire Lösung zu finden".

Die Gewerkschaft vida hat am Mittwoch gedroht, notfalls mit einem Generalstreik aller in Wien stationierten Airlines einen Branchen-Kollektivvertrag durchzusetzen. Hintergrund ist der durch mehrere Billigfluglinien ausgelöste Preiskampf am Flughafen Wien. Dieser führt laut Gewerkschaft zu einer Ausbeutung der Mitarbeiter.

Aus Sicht der Wirtschaftskammer ist die Streikdrohung "weder im Sinne der Branche noch im Sinne der Tausenden Reisenden sein, die vor ihrem wohlverdienten Sommerurlaub stehen", so Domany.

Rückendeckung für die vida kommt hingegen vom Flugpersonal der Austrian Airlines. AUA-Pilot und Betriebsratschef Rainer Stratberger forderte, dass branchenweit eine "unterste Linie" eingezogen gehöre. Diese Mindeststandards gehörten in einen Branchen-Kollektivvertrag, sagte Stratberger am Mittwoch zur APA.

Stratbergers Kritik richtete sich hauptsächlich gegen die ungarische Billigfluglinie Wizz Air, die für die Mitarbeiter in Wien Personalleasingfirmen aus anderen Ländern einsetze. Es sei daher auch unklar, wo Wizz Air Steuern und Abgaben abführe.

Für die Basis in Wien hat Wizz Air weder einen Betriebsrat noch einen Kollektivvertrag. Bei der IAG-Billigtochter Level gibt zwar einen Betriebsrat, die KV-Verhandlungen stecken derzeit jedoch nach 14 Gesprächsrunden fest. Bei Laudamotion gibt es sowohl einen Betriebsrat als auch einen Kollektivvertrag.

Die Lufthansa-Tochter AUA ist wegen des Preisdrucks zuletzt tief in die roten Zahlen gerutscht. Bei der AUA ist das Lohnniveau deutlich höher als bei den Billigfluglinien, weshalb das Mithalten bei den Ticketpreisen zu Verlusten führt.

AUA-Sprecher Peter Thier sagte auf APA-Anfrage: "Unsere Einschätzung ist, dass sich diese Drohung ganz deutlich an die Adresse der Billigflieger hier in Wien richtet." Wenn man über einen Branchen-KV spreche, dann müssten sich Wizz, Level und Co an der AUA orientieren und nicht umgekehrt, so der Sprecher.

Der Preiskampf am Flughafen Wien ist eine Folge der Pleite der einstigen deutschen Niki-Mutter Air Berlin. Nach den Insolvenzen im Jahr 2017 haben mehrere Billigflieger versucht, das Niki-Erbe anzutreten, woraufhin ein Match zwischen dem Platzhirschen AUA und einer Handvoll Billigfluglinien wie Laudamotion, Level, EasyJet, Vueling und Wizz Air ausbrach.

pro/kre

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Autor: APA/pro/kre

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